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Sommer, Sonne, Palmenstrand – oder doch lieber ein Praktikum?

Es ist jedes Jahr dasselbe: Der Sommer nähert sich im Schneckentempo und du sehnst dich dem Ende des Schuljahres entgegen.

Endlich wieder den ganzen Tag lang frei haben! Zum Baden gehen zum Beispiel, zum Abhängen mit deinen Freunden, zum Computer spielen, Fernsehen oder Nichtstun. Wäre da nicht dieses Wort im Hinterkopf, das sich immer wieder in das Bild mit den endlosen Weiten des Palmenstrandes drängt: Praktikum. Du weißt, dass du dich schleunigst für so etwas interessieren solltest, am besten schon seit gestern, entweder weil es im Rahmen deiner Ausbildung vorgesehen ist oder weil du aus Erzählungen gehört hast, dass es sinnvoll und wichtig sein soll. Vielleicht gehörst du aber auch zu jenen, die es kaum erwarten können, erste Berufserfahrungen sammeln zu können.

Die Frage ist: Warum überhaupt ein Praktikum und was kannst du für dich daraus mitnehmen? Wie bringt es dich weiter? Denn es geht um dein Leben, um deine Zukunft. In Wahrheit geht es nur um dich – nicht darum, sich ein Monat lang mit irgendetwas zu beschäftigen, weil es die Schule so verlangt oder die Eltern es wollen.

Bin ich auf dem richtigen Weg?
Ein Praktikum hat den riesengroßen Vorteil, dass es dir zeigen kann, ob du auf dem richtigen Weg bist. Ob deine Vorstellung von einem Beruf mit der Realität übereinstimmt. Wo sonst als in der Praxis soll man herausfinden, ob die gewählte Ausbildung wirklich das Richtige für einen ist? Wo du deine Talente zum Ausdruck bringen kannst? Wenn du zum Beispiel merkst, dass du völlig unmotiviert bist, nach einem Praktikum zu suchen oder wenn du dich dort langweilst und jede Minute zählst, bis du wieder wegdarfst – dann solltest du dir ernsthaft überlegen, was der Grund dafür ist. Liegt es an deiner Einstellung, gefällt dir diese spezielle Firma nicht, oder die Leute dort, oder steckst du überhaupt in der falschen Ausbildung? Je nachdem, wie du diese Frage beantwortest, kann das eine wichtige Weichenstellung für deine Zukunft bedeuten.

Oder umgekehrt: Du möchtest deine Ausbildung abbrechen, um gleich ins Arbeitsleben einzusteigen. Auch in diesem Fall kann ein Praktikum dir bei deiner Entscheidung helfen. In ihrem Buch „Ferienjob, Nebenjob, Praktikum“ erzählt Elfriede Gerdenits, Jobcoach, von einem Mädchen, das aus der Schule aussteigen wollte, um Tierpflegerin zu werden: „Ich konnte sie davon überzeugen, ein Praktikum zu machen. Während der vier Wochen in einem Tierasyl erkannte sie, dass es bei diesem Beruf nicht darum geht, mit Tieren zu kuscheln, sondern dass Tierpfleger primär mit Ausmisten und Füttern beschäftigt sind. Diese Erfahrung und die Erkenntnis, wie anstrengend es ist, täglich acht Stunden körperlich zu arbeiten, hat ihr ein reales Bild ihres Wunschberufes vermittelt. Sie ging dann im September gern wieder an die Schule zurück.“ Beispiele wie diese gibt es einige: Lukas etwa, der statt der HAK-Matura eine Lehre als Koch anfangen wollte, entschied sich nach vier Wochen Gemüse putzen dann doch für die Nachprüfung im Rechnungswesen. Oder Helena, die sich für Mode begeisterte und im Sommer als Verkäuferin jobbte, fand auf diese Weise heraus, dass für die interessanteren Tätigkeiten in dieser Branche (im Einkauf zum Beispiel) eine solide Ausbildung erforderlich ist.

Fit für den Traumjob
Ein Praktikum erhöht deine Chancen, später einmal an deinen Traumjob ranzukommen. Warum das so ist? Arbeitgeber stellen nun einmal lieber Leute ein, die schon irgendwo gearbeitet haben und womöglich wichtige Erfahrungen mitbringen. Die wissen, wie es in einer Firma zugeht, wie man sich an einem Arbeitsplatz verhält und wie man mit anderen zusammenarbeitet. Es ist so: Arbeitssuchende, die in ihrem Lebenslauf einige Ferialpraktika vorweisen können, werden jenen ohne Berufserfahrung in der Regel vorgezogen.

Networking betreiben
Ein Praktikum bietet überdies ausgezeichnete Möglichkeiten, Kontakte zu knüpfen. Wenn du zum Beispiel in einem Unternehmen als Praktikant/in positiv aufgefallen bist, wird man dich in Zukunft eher für einen Job oder eine Lehrstelle in Erwägung ziehen. Ein guter Tipp: Informiere die Personalverantwortlichen gegen Ende deines Praktikums darüber, wenn du dich später dort für eine Stelle bewerben willst.
Aber nicht nur Vorgesetzte und Personalchefs können wichtig sein. Nicht selten stellen sich Menschen, mit denen man gut ausgekommen ist, irgendwann in der Zukunft als hilfreich heraus. Das kann zum Beispiel die Kollegin neben dir sein, die vielleicht in zwei Jahren bei einer anderen Firma arbeitet, wo du dich bewerben willst. Oder ein Kunde – bzw. ein Lieferant – deines Praktikum-Gebers, dessen Unternehmen dich noch viel mehr interessiert. Oder andere Praktikant/innen, mit denen du Erfahrungen teilen und Tipps austauschen kannst.

Also: Praktika sind nicht dazu da, dir die Sommerferien zu verderben (übrigens: ein Monat bleibt dir ja noch), sondern können dir dabei helfen, die richtige Entscheidung für deine Zukunft zu treffen, Erfahrungen zu sammeln und neue Menschen kennen zu lernen.

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